Geschichten a.d. Sternenreich: Kapitel II - Lavender, der Nekromant aus Thalázad


Przez Benjamin Brüninghaus
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Geschichten a.d. Sternenreich: Kapitel II - Lavender, der Nekromant aus Thalázad

Die letzten Sonnenstrahlen verabschiedeten sich am Horizont und blitzten durch den eisigen Nebel. Die Temperatur sank schlagartig. Der Wind fegte über den schneebedeckten Boden. Es war ruhig. Fast schon idyllisch. Und weit und breit keine Sterbensseele. Da schleppte sich eine vermummte Gestalt durch den frostigen Nebel der Nordlande. Aber was hatte sie hier verloren? 

„Verflixt und zugenäht! Gönnst du mir denn gar nichts? Verflucht noch eins! Wo bin ich hier nur gelandet in dieser Einöde?“

Ein junger Elfenranger warf den Blick gen Himmel. Seine Augen wanderten zum Sternenbild des alten Raben. Das tat er immer, wenn er die Orientierung verlor. Es gab ihm doch stets ein Fünkchen Hoffnung und ein Stück seiner inneren Ruhe zurück. Also machte er es zu seiner Gewohnheit, seinen Blick beim Innehalten auf die hohen Sterne zu richten. Sie lehrten ihn bereits in jungen Jahren ein hohes Maß an Demut, mehr, als es die Elfen in seinem Umfeld jemals taten. Und so wandte er sich doch stets an sie, wenn er von seinem Weg abgekommen war. 

Und so geschah es auch in dieser geheimnisvollen Nacht. 

Lavender war am Ende und musste sich einen Moment lang sammeln, um wieder zu Kräften zu kommen. Der recht hoch gewachsene Verirrte marschierte schon eine ganze Weile, fror und zitterte am ganzen Leib.

Langsam machte sich das Gefühl breit, dass er es dieses Mal nicht schaffte. Dabei kannte er dieses Gefühl nur allzu gut. Es war wie ein Vertrauter. Ein alter Freund, den er lieber nicht in sein Leben gelassen hätte. Und doch standen sie nun da. Gemeinsam. Fluchend. Zwei Freunde an der Schwelle des Abgrunds, mitten im Nirgendwo der eisigen Nordklamm.

„Ich weiß nicht, wo ich noch suchen soll. Ich bin es leid, durch diese eisige Einöde zu stapfen. Und du, du nutzloses Stück? Du bist mir auch keine Hilfe mehr!“

Der leichenblasse Elfenranger sprach mit einem Gegenstand in seiner Hand. Ein nicht allzu großer, handlicher Silberknochen, aus dem messerscharfe Zähne herausstachen, die von türkisfarbenen Bändern umwickelt waren. Auf den ersten Blick war es kaum zu erahnen, ob es sich hierbei um eine Waffe oder um ein Schmuckstück handeln könnte. 

Sein Griff war fest. Er klammerte sich an sein Mitbringsel, wie er es immer getan hatte. Denn Lavender hatte schon so viele Nächte in Kälte und Einsamkeit verbracht, dass er sie kaum noch zählen konnte.

Die eisige Nordklamm: Die Nordlande werden im gesamten Sternenreich geehrt wie gefürchtet. Jeder in der nördlichen Hemisphäre weiß, dass in diesem Teil des Landes kein Leben gedeiht. Niemand reist freiwillig in diese erbarmungslosen Lande. Es gibt schlicht keinen Grund, sich dieser unnötigen Gefahr auszusetzen – lebensmüde Gestalten von dieser Annahme ausgeschlossen. Und für Abenteurer bieten die Nordlande ebenso ihren Reiz. Ein Land, das nicht oft betreten wird, verbirgt doch recht häufig das eine oder andere Geheimnis? So sagt man zumindest.

„Und ich sage es immer wieder. Einem Menschen kann man nicht trauen. Also bin ich am Ende wohl selber der Torheit erlegen. Wem mache ich einen Vorwurf?“

Die Lippen des erschöpften Elfenrangers färbten sich blau. Die Hoffnung schwand und es war so gut wie sicher, dass er den nächsten Tag nicht mehr erleben würde.

Seine zerfetzten grauen Schuhe und sein pechschwarzer Mantel mit goldenen Verzierungen, die eines Elfen würdig waren, hielten ihn schon lange nicht mehr warm. Und die mitgebrachten Vorräte? Die gingen ebenfalls zur Neige. 

Was für ein armer Tölpel. 

Der Sterbende hatte lediglich noch etwas elfische Bolognese in einer kleinen Proviantflasche zur Hand, die er sich bis zum Schluss aufgehoben hatte.

Elfen hatten doch stets die merkwürdige Angewohnheit, ihr Essen aus Proviantflaschen zu verzehren. Und das war der Grund, warum man nie so genau wusste, ob sie gerade aßen oder tranken. Doch dafür waren diese Flaschen immerhin mit wunderschönen Runen und malerischen Abbildern der Familien verziert, die sich von Elfenhaus zu Elfenhaus unterschieden. Sie waren ein echter Hingucker, zumeist viel wert und sogar bei Nichtelfen außerordentlich begehrt. 

„Ich schaffe es nicht. Ich denke, ich habe mich verkalkuliert.“

„Dabei warst du dir doch so sicher, dass du es hier finden würdest?“, summte eine leise Stimme aus dem Nichts. 

„Das bin ich noch. Nur leider rennt mir gerade die Zeit davon. Ich muss mich beeilen.“

Lavenders Kräfte schwanden weiter und weiter. Er schloss seine Augen, um sich ein letztes Mal zu sammeln. Da flog eine Krähe in weiter Ferne durch die Kälte und näherte sich langsam. Sie flog ein Stück weit vor Lavender, als wollte sie den Elfen zu sich rufen. 

„Was ist das? Kann das denn sein?“ 

Mit letzter Kraft machte er sich auf, den Lauten der sich nähernden Krähe zu folgen. Es war, als würde sie ihn zu sich rufen. Als könnte er sie verstehen. Er stapfte sehr langsam durch das Schneegestöber. Und sein Weg endete schließlich an einer großen Felswand. Von der Krähe fehlte zunächst jede Spur. Es war wie verhext.

Unser Elfenfreund wusste sofort, dass die Felswand, an der er unvorhergesehen gelandet war, recht merkwürdig anmutete. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Wand passte nicht so recht ins Bild, also untersuchte er sie etwas genauer. Er stieß binnen Sekunden auf eine winzig kleine Aussparung, die man nur allzu leicht hätte übersehen können. 

„Dann wollen wir doch mal sehen. Was haben wir denn hier? Hah! Wusste ich's doch!“

Nach einiger Zeit der sanften Fummelei tat sich absolut gar nichts. Enttäuschung machte sich breit und nahm einen Platz neben der Kälte ein. 

„So ein Mist. Hier muss doch etwas verborgen liegen? Die Umrisse dieses Eingangs sind so offensichtlich in den Stein gemeißelt, dass sie sogar meine verstorbene Großmutter erkennen würde. Haben die Hohen Varcana sie selig!“

Es schien, als wollte die Felswand nicht entzaubert werden und der Elfenranger war kurz vor dem Verzweifeln. Da schoss wie aus dem Nichts die Krähe heran. Sie flog direkt auf Lavender zu und landete neben ihm auf dem Boden. Nach einem lauten Knall und einem noch lauteren Blitzgewitter stieg eine halbtote, knochenklappernde Gestalt aus dem Nebel empor.

„Hallo, Suchender. Was haben wir denn hier? Ich habe Euch schon eine ganze Weile beobachtet, wie Ihr hier ziellos umherstapftet. So sagt mir doch. Was macht ein Nekromant aus Thalázad in diesen eisigen Gefilden? Was sucht Ihr hier zu finden, Ihr seid doch ein Gelehrter?“

Thalázad: Ein kleines Wüstengebiet in der östlichen Mitte des Sternenreichs. Die Stadt ist eine knöcherne Festung und dient den wenig empathischen Nekromanten als Hauptsitz, von wo aus sie die gesamte Region kontrollieren. Der Ort wird Tag und Nacht von feurigen Skelettschützen und überdimensionalen Panzerskeletten bewacht. Die Mauern erscheinen Eindringlingen deshalb nahezu unüberwindbar. 

Die Nekromanten von Thalázad können wie die meisten Lebewesen im Sternenreich keine Magie anwenden, haben aber einen Weg gefunden, den Tod zu überlisten.

„Woher wisst Ihr ...? Na, egal. Ich habe wohl nichts mehr zu verlieren. Und um ehrlich zu sein. Mich erreichte Kunde. Flüchtige Gerüchte handelten von einem Geheimnis, das in der Nordklamm verborgen liege. Eines Tages überkam es mich. Es war wie ein Ruf. Meine innere Stimme befahl mir, diesen Weg zu gehen. Es war so klar. So deutlich. Ich machte mich auf die beschwerliche Reise, die hiesigen Nordlande zu erkunden. Doch das hätte ich mir besser zweimal überlegen sollen.“

„Fürwahr, mein Herr. Das ist kein Ort für Reisende oder jemanden aus Euren Reihen. Eure läppischen Marionettenspielertricks werden Euch hier nichts nützen. Seid froh, dass ich Euch gerade noch rechtzeitig gefunden habe. Jetzt seid Ihr in Sicherheit, denn ich bin mit den Örtlichkeiten bestens vertraut.“

„Und Ihr seid wer oder, besser gesagt, was genau? Ich hörte bereits von Euresgleichen. Doch ich mag es kaum glauben. Könnt Ihr Euch zu jeder Zeit verwandeln? Ich wusste nicht, dass hier so weit oben Wildwandler existieren.“

Lavender musterte den stark Verhüllten in menschlicher Gestalt von oben bis unten. Viel gab er nicht über sich preis. Doch er trug einen sehr kurzen Stab unter seiner braunen Robe. War es eine Waffe oder vielmehr ein verzauberter Stab?

„Viele von meiner Art werdet Ihr hier in der Nordklamm nicht finden. Da habt Ihr durchaus recht. Doch Ihr habt das seltene Glück, dass ich Euch gefunden habe. Also zeigt ein bisschen Dankbarkeit!“

Der Elfenranger und der Wildwandler waren ein merkwürdiges Gespann. Sie schauten sich einen Moment lang skeptisch an. Lavender blieb bei seinem Zustand kaum eine andere Wahl, als jede Hilfe anzunehmen, die er jetzt noch erhalten konnte. Also beschloss er kurzerhand, dem Wandler fürs Erste zu vertrauen. 

„Und könnt Ihr uns auch aus dieser Kälte herauszaubern? Oder könnt Ihr lediglich Eure Kostümierung verändern? Lange halte ich es in dieser stechenden Kälte jedenfalls nicht mehr aus. Wenn Ihr also helfen wollt, dann bitte schnell.“

Dem Elfen gingen die Ideen aus. Er hatte alles versucht, um den Mechanismus der Felswand zu aktivieren, doch er scheiterte kläglich. 

„Wenn Ihr die fragwürdige Wand hier meint, da bin ich ebenso ratlos wie Ihr. Warum versucht Ihr es nicht mit einem Eurer Zaubertricks? Euer lustiges Spielzeug lässt Euch doch nicht so kurz vor dem Ziel im Stich?“

Lavender blieb keine andere Wahl, da er kurz vor dem Erfrieren stand. Er griff nach seinem knochigen Begleiter am Hosenbund und flüsterte voller Konzentration eine Art Zauberspruch, den er wohl in Thalázad gelernt hatte.

„Krabumm!“

Es knallte wie eine abgefeuerte Donnerbüchse! 

Ein dreihorniges, humanoides Skelett schoss aus dem verzauberten Gegenstand.

Ein Mensch war das zu Lebzeiten nicht. So viel stand mal fest. Es war ein Wesen, das der Wildwandler noch nie zuvor gesehen hatte.

„Was zum ...? Nekromanten. Immer wieder für eine Überraschung gut, nicht wahr? Welch bemerkenswerte Lebensform haben wir denn hier ... Was für ein Ungetüm muss das zu Lebzeiten gewesen sein? Eine Bergziege wohl kaum.“

„Sporn, mein alter Junge. Ich brauche deine Hilfe.“

Lavenders Freund half ihm schon häufig aus der Patsche. Und so sollte es auch dieses Mal geschehen. Denn das ominöse Wesen sah, was zum Leben Verdammte mit ihrem beschränkten Fassungsvermögen nicht sehen konnten. 

Der knochige Untertan verstand augenblicklich und deutete auf eine winzig kleine Rundung in der Steinwand, von der eine leicht schimmernde Aura ausging. Lavender griff hinein, zog an einem Holzstift und die Wand begann zu beben.

Die drei merkwürdigen Gestalten traten in den freigelegten Felsengang ein.

Und die eisigen Winde taten es ihnen gleich. Auch innerhalb der Zuflucht machten sie keinen Halt. Es zischte und pfiff bis in die untersten Tiefen des dunklen Verlieses. Es roch nach Pech und Schwefel. Den Elfen überkam ein mulmiges Gefühl. 

„Ich kann überhaupt nichts sehen.“

Je weiter sie ins Unbekannte vordrangen, desto düsterer wurde es. Der Wildwandler zückte ein Eisfeuer und erhellte den Gang mit einer winzigen Flamme. 

„Diese Runen kommen mir so gar nicht vertraut vor“, dachte der Wandler recht laut. 

„Also wart Ihr noch nicht in diesen Tiefen, nehme ich an?“

Der Wandler nickte und blickte ins Unbekannte. Die beiden ungleichen Gestalten schlichen durch die Dunkelheit, immer tiefer ins Verlies.

„Also? Was ist das nur für ein merkwürdiges Wesen, das Ihr da an Eurer Seite habt? Diese Art ist mir gar nicht geläufig.“

„Ihr meint den alten Sporn? Das wundert mich wenig. Die Chalath sind so gut wie ausgestorben. Es gibt nur noch wenige ihrer Art, die obendrein noch recht zurückgezogen leben. Ich denke, es hat so seinen Grund, dass sie nicht vielen im Sternenreich offen in die Arme springen. Es sind bemerkenswerte Kreaturen. Sie haben eine echsenartige Haut, drei Hörner und messerscharfe Klauen. Mit ihnen ist nicht gut Stummelbrot essen. Oh nein, das gewiss nicht! Aber sie sind die treuesten Geschöpfe, die mir je begegnet sind.“

Lavender warf einen Blick zurück, um nach seinem knochigen Kameraden zu sehen. Der folgte ihm auf Schritt und Tritt. 

„Sporn begleitet mich jetzt schon eine ganze Weile.“

„Dann nehme ich an, dass er nicht immer so ... hautlos war?“ Der Wandler kicherte leise vor sich hin. 

„Nein. Ich kenne ihn schon mein ganzes Leben. Ich könnte mir keine treuere Seele vorstellen. Damals nicht und auch heute nicht.“

„Treu bis in den Tod. Nicht wahr?“

Lavender bemerkte den abwertenden Unterton. Das Band, das die beiden ungleichen Kameraden zu Sporns Lebzeiten geteilt hatten, war viel zu früh zerrissen worden. 

„Was wisst Ihr schon über den Tod? In Thalázad ist er Euer ständiger Begleiter. Und eines lässt sich mit Gewissheit sagen. Das, was Ihr als den Tod versteht, bedarf durchaus mehrerer Blickwinkel und eines offenen Geistes, um die Dinge hinter den Dingen zu sehen.“

„Die Worte eines Kleinkindes, das nicht bereit ist, den Lauf der natürlichen Dinge zu akzeptieren.“

„Schweigt, Narr!“, schoss es aus Lavender wie aus der Kanone heraus. Doch nicht etwa, weil er sich angegriffen fühlte. Sie waren am Ende des langen Ganges angelangt und erblickten eine Bibliothek, deren Bücher allesamt mit Dreck und Staub übersät waren.

Der Boden unter ihnen hatte sich bewegt.

„Halt! Bewegt Euch jetzt keinen Millimeter!“

Der Wildwandler war auf eine Druckplatte getreten und es war kaum auszumalen, was wohl passiert wäre, wenn er ohne die warnenden Worte des Elfen weitergelaufen wäre. 

Lavender befahl seinem Knochenfreund, einen schweren Stein aus der Ecke zu bergen und das Gewicht des Wildwandlers zu ersetzen. Zentimeter für Zentimeter schob das Skelett den Stein auf den Mechanismus und der Wildwandler erlangte seine Bewegungsfreiheit zurück.

„Irgendetwas möchte wohl nicht, dass wir hier einfach so herumspazieren? Ich möchte gar nicht wissen, was dieser Bodenschalter hier ausgelöst hätte“, bemerkte Lavender. Er schaute sich um und die kleinen Löcher in den Wänden verrieten alles, was er wissen musste.

„Das war es wohl. Weiter geht es nicht“, sagte der Elf etwas enttäuscht.

„Wir sollen uns hier wohl nicht ungestört umsehen?“ Und da war es wieder. Dieses merkwürdige Kichern.

Der Wildwandler nutzte sein Eisfeuer und löschte die Flamme. Er stellte es auf Frost und es schimmerte ein samtig-blaues, kaltes Licht durch den stockfinsteren Raum.

Lavender wusste um die Nützlichkeit des Gegenstands, fragte sich aber trotzdem, was dieses viel dunklere Licht ihnen bringen sollte. 

„Das ist nicht unbedingt hilfreich, wenn Ihr mich fragt. Alter Mann.“

„So wartet nur ab“, sagte er leise, während er die Wände der Dunkelkammer absuchte. 

„Hah! Wusste ich es doch. Kommt schon her ungeduldiger Elf und werft einen Blick hierauf.“

Und tatsächlich. Sie sahen eine kleine Schrifttafel in der hintersten Ecke, die im frostigen Licht aufleuchtete, wenn auch nur schwach. 

Der Wildwandler fragte: „Könnt Ihr das lesen?“

Lavender trat ein paar Schritte heran, nachdem er Sporn zurück in seinen Silberknochen gerufen hatte. 

„Was haben wir denn hier? Diese Schrift. Ich habe sie in Thalázad schon einmal in einem alten Buch gesehen. Es ist doch nicht ... die Erst-Sprache. Aber kann das wirklich sein? Und diese Sterne. Was hat das zu bedeuten?“

Lavender wirkte überaus schockiert und scheiterte kläglich bei dem Versuch, es sich nicht anmerken zu lassen. 

Der Wildwandler machte große Augen.

„Ihr könnt es verstehen, nicht wahr?“

„Ich kann es lesen, ja. Doch die Worte haben keinen Zusammenhang. Es ist verwirrend.“

„Nun. Sagt, Elf! Was steht dort geschrieben?“

„Es ist die Rede von einer Sternenkonstellation, wie mir scheint. Ist das ein Sternbild? Ja. Jetzt hab' ich's. Das Sternenbild des Großen Drachens. Das muss es sein. Und dann sind da noch ... ein paar Buchstaben, die ich nicht so ganz verstehe.“ 

Der Wildwandler wechselte seine Form. Er sah Lavender blutrünstig an.

„Ich habe jetzt genug von Eurem stinkenden Geruch!“

Er sabberte und schmatzte, und verwandelte sich in einen übergroßen Kriegsbären. Das Monster brüllte so laut auf, dass es bis weit hinaus in die eisige Nordklamm hallte.

Die Wände bebten, der Stein rollte vom gesicherter Mechanismus und Lavender duckte sich blitzschnell nach unten. Er rettete sich nur knapp vor dem nahenden Pfeilhagel. 

Der Elf konnte seinen Augen kaum trauen und begann einfach draufloszurennen. Er lief wie ein Wahnsinniger schnurstracks in Richtung Ausgang und hörte, wie der gigantische Bär hinter ihm herpreschte. 

„Verdammt! Ich möchte nicht als Abendbrot für ein stinkendes Großmaul enden!“

Am Ende des langen Ganges angekommen, schoss er beim Ausgang buchstäblich unsichtbar zur Seite und der nach Fleisch gierende Bär schnappte nach vorne ins Leere. Er verfehlte den Elfen nur knapp, und da er seine Geschwindigkeit nicht so schnell abbremsen konnte, überschlug er sich und knallte mit voller Wucht auf den Boden.

Lavender nutzte die Chance und griff zu seinem Silberknochen. Er sprang mit einem Satz in den Himmel und ließ sich auf den Bären fallen wie ein anmutiger Schwarzadler, der nach seiner Beute greift.

Er stach zu wie ein Assassine aus der Dunkelheit heraus, präzise und tödlich. Er schlitzte dem Bären den Hals mit einem einzigen Schnitt auf und sprang dann zurück auf den Boden.

Der Kriegsbär brüllte durch die halbe Nordklamm und verwandelte sich zurück in seine humanoide Gestalt, die dieses Mal einem Elfen mit einer sehr dunklen Haut ähnelte. 

„Sagt mir, was Ihr wisst, Ihr dreckiger Bastard! Argh. 
Ich wusste, dass Ihr es lesen könnt. Nun sprecht schon!
Sollten meine Vorfahren recht behalten?“

Er spuckte Blut und bekam keine Luft. Der Schnitt war sauber. Und dem Wildwandler blieb keine Zeit mehr. Er siechte in den folgenden Sekunden langsam aber sicher dahin wie ein Eiszapfen in der nahenden Frühlingswärme. Tropfen für Tropfen.

So war es um ihn geschehen.

Lavender hatte gefunden, wonach er gesucht hatte. Er durchsuchte den Dahingesiechten und steckte das Eisfeuer in seine Tasche. Er machte sich auf, seine Rückreise anzutreten.

„Wer ist jetzt der Narr? Hmpf. Ich muss umgehend meinem Meister in Thalázad davon berichten.
Die neuen Informationen ändern alles. Es wird Zeit aufzubrechen.“

Er wollte sich gerade auf den Weg machen, da knallte eine donnernde Lanze durch den grellen Himmel. Es krachte so laut, dass es dem Elfen das Mark und das Blut gefror. 

Sein Blick wanderte gen Himmel und er sah etwas Gigantisches den Nachthimmel erhellen.

Ein übergroßes Leuchtfeuer sollte in dieser Nacht auf die Erde niederfahren, von dem er selbst noch nicht wusste, was das für sein Schicksal und das des gesamten Sternenreichs bedeuten würde.

  • Weiter geht es in Kapitel 3, das schon bald auf Zauberkram.de erscheint!